9. Dezember – Leise Töne im Schnee

9. Dezember – Leise Töne im Schnee

Als ich den Brief heute morgen geöffnet habe, da war mir gleich klar, dass sich etwas Aufregendes ereignet haben muss. Der Brief war nämlich sehr kurz und es sah so aus, als ob er in großer Eile geschrieben worden ist und das kam so:

Es hatte aufgehört zu schneien und die Timeplfaxe konnten um das Haus herum nach dem Rechten sehen. Weil es immer noch sehr kalt war, die Dämmerung schon hereinbrach und der Schnee ganz schön hoch lag, ist der große Herr Timpelfax allein mit seiner frisch geputzten Laterne aufgebrochen. Eigentlich wollte er nur nach dem Dach und den Bäumen rundum schauen. Schneebeladenen Ästen muss man helfen damit sie nicht abbrechen und man muss in den Wald horchen, ob es knackst oder knirscht.

Timpelfaxe haben ein ganz besonderes Gehör. Es ist ganz fein und kann die leisen Töne und Geräusche besonders gut erfassen. Sie lieben Musik und den Gesang der Vögel, das Zirpen der Grillen – eben all die zarten Melodien der Natur, die man so hören kann, wenn man hinhört und selbst wirklich still ist. Gerade wollte der große Herr Timpelfax wieder ins Haus zurück, ja da hat er es gehört. Ein klitzeleises Schluchzen. Und ganz vorsichtig mit der Laterne voraus hat er die Quelle des Schluchzens gesucht und Gott sei Dank auch gefunden. Da lag im Garten der Timpelfaxe ein Mürmelchen-Kind und fror ganz bitterlich. Natürlich hat der Herr Timpelfax das Mürmelchen sofort aus dem Schnee gehoben und mitgenommen…

Tja, und da war der Brief zu Ende. Kennt ihr Mürmelchen? Hoffentlich gibt es morgen mehr aus dem Timpelwald!

8. Dezember – Licht oder nicht…

8. Dezember – Licht oder nicht…

Wenn es draußen schneit, dann gibt es auch im Timpelwald keinen blauen Himmel, keine Sonne und aus diesem Grund auch wenig Licht. Wenn die Herren Timpelfax ihr Häuschen beleuchten wollen, dann benutzen sie Laternen. Es gibt im Timpelwald keinen Strom, sie lassen lieber Kerzen oder ein wenig Magie leuchten. Außerdem finden die Timpelfaxe es ganz gut, wenn man nicht immer und überall Licht hat.  Manchmal hilft die Dunkelheit sogar. Viele Lebewesen brauchen die Dunkelheit, um einschlafen zu können, Pflanzen ruhen sich im Dunkel einfach mal aus und auch wir Menschen schlafen schneller ein, wenn es nicht taghell ist.

Tja, dennoch ist Licht auch wichtig, vor allem wir Menschen brauchen Licht, um gut sehen zu können. Das, so sagt der kleine Herr Timpelfax ist bei den Timpelfaxen etwas anders. Sie können auch im Dunklen noch ganz gut sehen. Doch auch sie finden es im Winter sehr gemütlicher, wenn Laternenlicht sie einhüllt. Sie lieben die Laternenlicht-Stimmung, schreiben sie mir. Nun hatte die große Stubenlaterne eine dringende Reinigung nötig. Hach, und damit es uns so lange nicht langweilig wird, während sich der große Herr Timpelfaxe um ihre große Laterne kümmert, bastelt der kleine Herr Timpelfax kleine Zwergenlaternchen! Er hat mir extra eine Anleitung zugeschickt.

Macht ihr mit?

  1. Ihr braucht ein rechteckiges Papier.
  2. Davon faltet ihr die obere und untere Längsseite knapp nach innen.
  3. Nun faltet das Blatt auf der Mittellinie so, dass die Faltkanten gut zu sehen sind.
  4. Jetzt schneidet ihr an der Faltkante entlang gleichmäßige Streifen
  5. Eine Kante wird mit Zwergenleim oder Bastelkleber bestrichen und dann alles zusammenkleben…

Als ich die kleinen Laternen gesehen habe, die der Timpelfax für uns aufgebaut hat, da ist mir eingefallen, dass wir als Kinder solche Laternchen aus Goldpapier mit unserer Mutter für den Tannenbaum gebastelt haben.

Habt Dank liebe Timpelfaxe!

7. Dezember – über das Staunen

7. Dezember – über das Staunen

Es hat geschneit im Timpelwald. Wie ihr auf dem Bild aus dem Brief gut sehen könnte, stehen die Beiden da und staunen. Ganz andächtig und still schauen sie aus ihrem Timpelhaus in den weiß verschneiten Timpelwald. Der kleine Herr Timpelfax hat mir geschrieben, es sei eben immer staunenswert, wenn sich im Wald etwas verändert. Staunen kann man nur, wenn man seine Sinne öffnet. Staunen ist der erste Schritt für das Verstehen, schreibt der Herr Timpelfax. Nur wenn ich ein Geräusch höre, es bestaune, kann ich fragen woher die Töne kommen, wer oder was sie verursacht. Vielleicht gehört das Staunen unbedingt zu den Fähigkeiten, die uns Menschen mit dem kleinen Volk verbinden. Wenn wir selbst noch klein sind, dies und das in der Welt zum ersten Mal sehen fällt das Staunen leicht.

Und dann fragt er am Ende seines kleinen Briefs, was notwendig wäre, mich zum Staunen zu bringen.

Darüber muss ich mal gründlich nachdenken…

6. Dezember – Teestunde

6. Dezember – Teestunde

Besuch fröhlich zu empfangen ist wohl gerade nur im Timpelwald möglich. Ein wenig beneide ich die Herren Timpelfax um ihren netten Gast. Die Maus ist zu Besuch gekommen und wird mit Hagebuttentee und Walnusskuchen bewirtet. Sie haben das uralte Rezept ihrer Timpelfax-Großmutter gleich mitgeschickt und ich will es euch nicht vorenthalten.

Walnusskuchen nach Art der Timpelfax-Großmutter

200 Gramm Butter, 180 Gramm Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 4 Eier, 70 Gramm dunkle Raspelschokolade, 80 Gramm Mehl, 1 Prise Salz und 150 Gramm gemahlene Walnüsse und zum Schluss noch Zuckerguss oder Schokoladenguss.

Erst die Butter mit Zucker und Vanillezucker schaumig schlagen. Dann gibst Du die Eier unter ständigem Rühren hinzu. Dann vermischt Du Mehl, Salz, Walnüsse und die Schokoraspeln gut in einer separaten Schüssel.  Wenn die Eier-Zucker–Butter–Masse gut schaumig ist, dann werden die „trockenen“ Zutaten mit dem Schneebesen untergehoben. 

Der Kuchen kommt für 30 Minuten bei 180 Grad in den Backofen.

Wenn der Ofen seine Schuldigkeit getan hat und die Kuchenplatte ausgekühlt ist ja dann streichst Du Hagebuttenmarmelade auf deinen Kuchen. Ein wenig antrocknen lassen und dann Zuckerguss oder flüssige Schokolade aufstreichen.

Guten Appetit und einen fröhlichen Nikolaustag!

5. Dezember – auf Vorrat

5. Dezember – auf Vorrat

„Hagebutten sammeln ist eine sehr sinnvolle Aufgabe“. Mit großem Ernst berichtet der kleine Herr Timpelfax von dieser Tätigkeit. Mir ist überhaupt aufgefallen, dass Timpelfaxe alles was sie tun mit großer Aufmerksamkeit und tiefem Ernst erledigen. Sie sind immer guter Laune und sehr konzentriert bei dem was sie tun. Sie halten eher wenig davon, zwei Dinge gleichzeitig zu erledigen. Wenn sie zum Beispiel Hagebutten sammeln, dann sammeln sie erst einmal. Wenn die „Beute“ im Häuschen ausgepackt wird, gehen sie Schritt für Schritt vor. Vom Sortieren der Früchte bis zum Einkochen, vom Auffädeln bis zum Abpacken des Tees, jedes passiert für sich. Geduldig und sorgfältig und vor allem langsam. Denn, so sagt der große Herr Timpelfax, in der Ruhe liegt die Kraft. Irgendwo habe ich das schon mal gehört und sollte dringend darüber nachdenken.

Dann schrieb der kleine Herr Timpelfax noch, dass sie für Morgen Besuch erwarten. Daher gehen die Beiden in den Timpelwald und sammeln noch so viel Holz wie sie tragen können. Es soll ja für die kommenden kalten Tage ausreichen.

Wer da wohl zu Besuch kommen wird?

4. Dezember – winterfest

4. Dezember – winterfest

„Einen wunderschönen Gartentag wünschen wir Dir“, schreibt der kleine Herr Timpelfax und erklärt mir gleich darauf, dass die Timeplfaxe traditionell am 4. Dezember rund ums Haus alles winterfest machen. Im Timpelwald soll es bald schneien und da muss alles aufgeräumt sein. Außerdem findet sich immer noch etwas, was nicht ganz abgeerntet ist. Auch Timpelfaxe müssen für die Ruhezeit der Natur gut vorsorgen. Ich würde ihm gerne erzählen, dass wir heute Obstbaumzweige ins Haus holen damit sie am Heiligen Abend Blüten tragen, doch er hört mich ja wahrscheinlich nicht. Aber wer weiß, die kleinen Wesen sind mit unseren Traditionen vielleicht besser vertraut als wir selbst heutzutage.

Ach, und da stand auch, dass in der Nacht der Sturmwind am Dach unsanft gerüttelt hat. Nun muss der große Herr Timpelfax unbedingt auf die Leiter steigen und das Dach reparieren. Es wird alles gut gehen, schreibt mir der kleine Herr Timpelfax, denn er hält die Leiter sicher ganz fest.

Bis bald!

3. Dezember – Ankunft

3. Dezember – Ankunft

Das kann ja spannend werden, wenn jetzt jeden Morgen ein Brief im Vogelhäuschen lieg!

Heute schreibt mir der kleine Herr Timpelfax, dass er sich erst einmal ausruhen musste, als er zu Hause ankam. Während er da so auf dem Höckerchen saß und sich erholt hat von all den Aufregungen hat der große Herr Timpelfax den Adventskranz hergerichtet, die erste Kerze angezündet, um seiner Freude Ausdruck zu verleihen. Es gibt nämlich nicht so viele Timpelfaxe, da muss man schon gut aufeinander achtgeben.

Zwerge sind ja nicht alle gleich, das ist wie bei uns Menschen. Im Zwergenreich da leben ganz verschiedene Wichte, Gnome, Wichtel, Hottinger und eben auch Timpelfaxe. Der kleine Herr Timpelfax hat mir berichtet, dass sich eben zum alljährlichen Zwergentreffen im November all die verschiedenen Zwerge treffen. Sie wollen miteinander feiern, Geschichten austauschen und vor allem gegenseitig Magie aufladen. Ihre Fähigkeiten schnell zu reisen, sich vor den Menschen zu verbergen und sich um kranke oder verletzte Lebewesen zu kümmern oder auch mal uns Menschen zu ärgern, indem sie etwas verschwinden lassen, die beruhen auf Zwergenmagie. Eben diese Zwergenmagie können sie nur behalten, wenn sie sie miteinander teilen. Wer seine für sich behalten will, der hat am Ende gar keine mehr. Nur so überdauert die Magie alle Zeit!

Vielleicht ist das der Grund, warum wir Menschen keine magischen Kräfte mehr haben – also die meisten von uns…

2. Dezember – Post aus dem Wald

2. Dezember – Post aus dem Wald

Irgendwie hat mir sein letzter Satz so gar keine Ruhe gelassen. Ich meine natürlich den letzten Satz des Herrn Timpelfax. Weil man Unruhe mit Bewegung bekämpfen kann und Neugierde mit „Nachschauen“ beruhigt, bin ich noch mal in den Wald. Merkwürdigerweise war der Weg heute umständlicher und kam mir viel weiter vor, dennoch hab ich den Baum wieder gefunden. Noch etwas habe ich gefunden.

Ein klitzekleines Briefchen lag da vor der Pforte und ob man das glauben kann oder nicht, ich kann diese miniwinzelpützige Schrift lesen obwohl ich sonst für alles eine Brille benötige. Ihr wisst aber sicher auch von wem die Brief kommt. Selbstverständlich von Herrn Timpelfax.

Im Umschlag lag ein Bild vom großen Herrn Timpelfax. Der kleine Herr Timpelfax schreibt mir, dass sich alle im Timpelwald schon Gedanken gemacht haben, wo er wohl bleibt. Seine Ankunft wurde sehnlichst erwartet. Und der große Herr Timpelfax lässt ausrichten, dass er sich sehr bedankt für meine Begleitung. Wenn ich wollte, würden sie mir gerne etwas über den Timpelfaxwald berichten. Ich dürfte es auch gerne weiter erzählen – nur die Pforte muss geheim bleiben. Deshalb bringt die nächsten Briefe der Herr Eichhorn zum Vogelhäuschen im Garten vom Haus am Wald. Nur ein paar Nüsse soll ich ihm hinlegen, denn der Weg ist wohl recht weit für ein Eichhörnchen.

Glaubt mir, ich besorge jetzt als allererstes einen Sack voll Nüsse…

1. Dezember – Die Abreise

1. Dezember – Die Abreise

Versprochen ist versprochen! Auch wenn ich mich schon sehr an den kleinen Herrn Timpelfax gewöhnt habe, wäre es sehr egoistisch gewesen, ihn einfach hier zu behalten. Also haben wir uns heute Morgen auf den Weg gemacht, ich im Wintermantel, er in meinem Handschuh. Unser Haus steht direkt am Wald (vielleicht verirren sich deshalb gerne mal Wichtel und Zwerge zu uns) und so konnten wir gleich mit der Suche nach der geheimen Pforte beginnen. Ich darf nicht verraten, wo genau sie sich befindet, ich musste es sogar schwören. Seine Sorge ist eher unberechtigt, wir würden da niemals durchpassen, doch Menschen kommen auf die merkwürdigsten Ideen. Also, ich verrate nichts.

Zum Abschied hat er mir gewunken und gesagt, ich würde noch von ihm hören. Das glaube ich jetzt weniger. Egal wie: „hab eine gute Heimreise kleiner Timpelfax!“ Loslassen will gelernt sein, Frau Wollwerkerin…

Verlaufen…

Verlaufen…

Gestern traf ich diesen kleinen Wichtel als ich die erste Kerze auf dem Adventskranz anzünden wollte. Er hätte getrödelt und seine Freunde vom großen Zwergenfest aus den Augen verloren. Nun hätte er erst mal hier im Moos geschlafen. Ob ich helfen sollte, hab ich ihn gefragt. „Ach nein, ich komme schon zurecht“! Gut, hab ich mir gedacht und ihm eine angenehme Heimreise gewünscht.

So, und heute Morgen steckte er plötzlich im Adventskalender meines Mannes. „Doch noch hier?“ hab ich gefragt.

„Verlaufen hab ich mich“ hat er geschnieft und mir verraten, dass er ein Tor im Wald finden muss – sonst findet er nicht zurück. Morgen gehen wir gemeinsam in den Wald und suchen das Tor und vielleicht, wenn ich darf, zeige ich euch den Weg zum Zwergenwald. Er ist ja nicht so begeistert von der Idee, doch mit etwas Lebkuchen und Kamillentee habe ich ihn erst einmal besänftigt. Bleibt dran. Mal sehen was noch so kommt.