16. Dezember
Auf den ersten Blick ist das ein wirklich niedliches Bild – das furchtlose Huhn und das kleine Mürmelchen im Schnee. So süß. Nein, schreibt mir der Timpelfax, das war gar nicht niedlich, denn der kleine Herr Timpelfax hat vor lauter Begeisterung für das Igelchen sein Versprechen vergessen. Er hatte nämlich dem Lehrer Seltenschlau versprochen, sich um das Mürmelchen zu kümmern. Das ist nämlich eigentlich zu klein für die Schule. Nun läuft das Mürmelchen kopflos – und ohne Schal – hinter den Großen her und nur das furchtlose Huhn verhindert, dass es vielleicht den Weg nicht findet.
Also bitte, furchtloses namenloses Timpelhuhn, ganz laut gackern damit ihr beiden nicht im Schnee verloren geht. Ein wackeres Wesen bist Du. Ich werde dem Timpelfax schreiben, dass er dich Wackerlinde nennen könnte – was denkst du darüber?
15. Dezember
Heute sind die Großen, also alle Schüler mit Latzhose (als ob das so was Besonderes ist, denkt der kleine Herr Timpelfax), zusammen zur Schule gerannt und haben sich riesig über den Neuen, den Fuchs gefreut. Jetzt sind sie zu dritt und wollen dem Lehrer gleich ihren neuen Freund vorstellen. Dabei haben sie das Igelchen und den kleine Herrn Timpelfax ganz vergessen. Kann ja mal passieren, wenn man so aufgeregt ist, aber nett ist es nicht. Der kleine Herr Timpelfax will das Igelchen trösten, ihm Mut machen und vergisst dabei aber auch jemanden. Ich bin so gespannt, was nun wohl passiert.
14. Dezember
Ja, wen haben wir denn da? Jetzt bin ich aber überrascht. Da ist ein Fuchs in Latzhose und ein Igelchen durch den Schnee gewandert. Die Herren Timpelfax freuen sich, dass die beiden rechtzeitig aus dem Schnee herausgefunden haben. Nach der Begrüßung gibt es Frühstück und viel zu erzählen. Die zwei haben nämlich auch vom Lehrer Seltenschlau gehört und haben ganz große Lust, auch zur Schule zu gehen. Das wird ja was geben, denke ich und der Herr Timpelfax bestimmt auch.
13. Dezember
Nach der aufregenden Schlittenfahrt haben alle gut geschlafen. Über Nacht hat es wieder angefangen zu schneien und eigentlich will keiner aus dem Haus. Nur die Schlafluft wollte er aus dem Häuschen lassen und gerade als er die Tür öffnet, da sieht er zwei Gestalten durch den Schnee stapfen. Die beiden kann man kaum erkennen und der Timpelfax glaubt, dass die zwei sich verlaufen haben. Er wäre nicht der hilfsbereite Timpelfax, wenn er nicht helfen würde. Und so hat er laut gerufen, damit die beiden Fremden erst einmal zu ihm finden. Alles Weitere sieht man dann, denkt der Timpelfax.
12. Dezember
Der Timpelfax hat sich die Kleinen geschnappt, weil er doch weiß, wie gerne der kleine Herr Timpelfax mit dem Schlitten durch den Schnee saust. Ich finde es wunderbar, dass der Große sich so um die Kleinen und ihre Winterfreude kümmert. Dick eingemummelt in den Schal sitzen Mürmelchen und der kleine Timpelfax mit ihm auf dem Schlitten und sausen den Hang hinunter. Später gab es noch Tee und Plätzchen. Einen wunderschönen 3. Advent!
11. Dezember
So ein Lehrer hat schon was auszuhalten, sagt der Timpelfax. Da wollte er mit seinen Schülern über die schiefe Ebene sprechen. Er hat was vor, denkt der Timpelfax, vielleicht will er was Großes bauen – aber das weiß man nicht genau. Und kaum hat er angefangen, seinen Schützlingen den neuen Schulstoff vorzutragen, da hat es keinen mehr auf den Bänken gehalten. Raus in den Schnee und echte Erkenntnisse im Schnee über die schiefe Ebene sammeln. Sie haben wohl viel gelacht und sich auch sehr gewundert, dass Schneebälle beim Rutschen immer größer werden. Gegrübelt haben sie dann darüber, dass der Lehrer ihnen verraten hat, dass Steine beim Rutschen im Laufe der Jahrhunderte immer kleiner werden… hättet ihr das gedacht? Da haben wir alle noch was zu grübeln.
10. Dezember
Heute hat uns der Timpelfax ein Foto vom Lehrer Seltenschlau im Schnee zugeschickt. Ja, auch im Timpelwald hat es geschneit und der Zwerg hat die Gelegenheit wohl genutzt, sich mal weit weg von der Schule herumzutreiben. Ich hab mich aber schon gefragt, was er da so macht. Der Timpelfax denkt ja, der Lehrer will auch mal seinen Spaß haben und was zum Futtern einsammeln. Ich glaub aber, der Lehrer will mit seinen Schülern über wilde Früchte reden und darüber, was man so essen darf und was giftig ist. Schon gut, wenn die Timpelwaldbewohner wissen was gut für sie ist. Es soll ja niemand krank werden.
Tja, und das furchtlose Huhn hat immer noch keinen Namen! Jetzt aber…
9. Dezember
Der Lehrer Seltenschlau hatte offensichtlich ein Einsehen mit uns Briefleserinnen und unsere Neugier. Er hat ein Foto mitgeschickt vom „Neuen“. Wie man unschwer erkennen kann, handelt es sich um ein neues Schulkind – genau wie die Maus in Latzhose. Die Maus hat den Hasenbub mitgebracht, weil auch Hasenkinder gerne zur Schule gehen. Der Hasenbub liebt die Farbe Orange und hört auf den Namen Möhrli. Man munkelt, dass er es faustdick hinter den Ohren hat, aber das ist bei so großen Ohren ja nicht schwer. Die Kleinen in der Klasse sind jedenfalls ganz schön beeindruckt von den beiden Latzhosen-Freunden. So sein, wie die Großen, wer will das nicht. Der Timpelfax ist jedenfalls begeistert vom Zuwachs im Timpelwald und rechnet fest mit neuen Abenteuern. Na, wer ein furchtloses Huhn hat, hat auch Mut für Abenteuer. Dann freuen wir uns mit ihm…
8. Dezember
Sehr ungern lässt der Timpelfax sein Timpelhuhn zu Hause allein. Auch der kleine Herr Timpelfax, der sich so auf den Lehrer Seltenschlau gefreut hat, wollte heute Morgen erst gar nicht aus dem Haus. Beide sind so froh mit ihrer neuen Hausbewohnerin, nur einen Namen haben sie noch nicht. Könnt ihr vielleicht helfen?
Schweren Herzens hat sich der Kleine dann doch ins Schulabenteuer gestürzt. Wir dürfen nur mal durch die Tür in die Schule schauen, sagt der Herr Timpelfax. Wie aufregend. Ich hätte je nicht gedacht, dass im Timpelwald so viele in die Schule kommen – da kann man mal sehen, wie leicht man sich irren kann. Wir lernen, dass in der Baumschule ein jeder in seinem Tempo lernen darf– denn man lernt das am besten, was man gut gebrauchen kann und wofür man sich einsetzen will. Wenn ich Wintervorräte anlegen soll, dann will ich die Jahreszeiten kennen, wissen, wie man einen Vorrat anlegt, wie man Lebensmittel haltbar macht. Das lerne ich schnell. Da will ich erst einmal nicht wissen, wie man einen Brief schreibt. Ach je, da hat der Lehrer aber viel zu tun, weil sicher jeder etwas anderes lernen will.
Aber halt – da ist doch jemand in der Schule, den wir noch nicht kennen. Was ist nur los im Timpelwald?
7. Dezember
Der Morgen nach dem Nikolaustag war schon etwas aufregend für den Timpelfax. Ein fremdes Geräusch hat ihn geweckt. Er hat sich den Schlafsand aus den Augen gerieben und versucht herauszufinden, was ihn da geweckt hat. Ohne Mütze ist er bis vor die Tür gegangen, da erst hat er sie sehen können, die Quelle des Geräuschs. Er war sofort vor Freude ganz aus dem Häuschen – na ja, er war ja sowieso schon draußen. Ein Timpelhuhn hat ihm der Nikolauswichtel gebracht. Das hat er sich schon so lange gewünscht, denn Timpelhühner sind nicht nur extrem selten, sie sind vor allem die Ruhe selbst. Sie gackern nur wenig und sind absolut furchtlos. Deshalb kann man ihnen stundenlang zuschauen, ohne sich einmal erschrecken zu müssen. Das kann er jetzt gut gebrauchen, wo es doch so viele Geheimnisse gibt im Timpelwald. Er streichelt sein Huhn und überlegt, wie er es wohl nennen soll. Wenn gleich der kleine Herr Timpelfax wach wird, dann muss er seinen Nikolausstiefel selbst ins Haus holen, der Timpelfax ist gerade sehr abgelenkt.
P.S. Jetzt wissen wir aber immerhin, dass Timpelfaxe ohne Mütze ins Bett gehen.